Lade mehr

Arktis Zeichenblog

Im Juni 2017 begleitete ich Klimaforscher der Unis Leipzig, Bremen, Köln, des Alfred-Wegener-Instituts und des Tropos Leibniz Institut für Troposphärenforschung nach Longyearbyen und Ny Alesund als Expeditionszeichnerin und blogge hier darüber. 

Mehr über Arktis Zeichenblog….

Was Andreas Macke lieber nicht erleben will.

Prof. Andreas Macke, Fahrtleiter für die erste Polarstern-Fahrt in die Arktis.
Prof. Andreas Macke, Fahrtleiter für die Polarstern-Fahrt in die Arktis. (c)Kerstin Heymach

Andreas Macke ist als Fahrtleiter verantwortlich für die wissenschaftliche Arbeit auf dem Forschungsschiff. Und er ist auch verantwortlich für seine Mitarbeiter. Hier sagt er, was sein größtes Problem bei der Mission war. #arktis17, #arktiszeichenblog, #kerstinheymach

 

 

 

Bei mir kam noch das Problem der Eisbärensicherheit dazu, weil ich da Leute auf dem Eis arbeiten lasse, die geschützt sein müssen. Die haben alle ein Schießtraining gemacht, sie sind auch bewaffnet. Trotzdem möchte ich nicht, daß eine Situation entsteht, wo sie die Waffe beutzen müssten. Ist auch in 35 Jahren AWI noch nicht passiert. Es wurde nicht einmal auf einen Bären geschossen. Aber es wurde auch nicht einmal so lange auf einer Station (im Eis) festgemacht.
Die Vorhersagen waren von allen Experten: Ihr kriegt jeden zweiten Tag Besuch. Sie werden Euch irgendwann mal riechen und dann sind sie neugierig. Nicht mal bösartig, nur neugierig.
Wir hatten ja Glück, dass wir nur am ersten Tag diesen lieben Besuch bekamen, dann sind sie nicht wieder gekommen. Aber ich möchte nicht, daß eine Situation entsteht, wo eine junge Doktorandin auf einen herangaloppierenden Eisbär schießen muß. Wir sind ja alle keine Großwildjäger, sondern normale Menschen.

In der Arktis zeichnen.

Expeditionszeichnen Kerstin Heymach
Zeichnen in Ny Alesund, Spitzbergen. Ich wurde dabei von Ornithologen gefilmt, die im Brutfelsen nebenan Dreizehenmöven einfangen und beringen. #arktis17, #arktiszeichenblog, #kerstinheymach

Es ist nicht das erste Mal, dass ich in der Arktis zeichne. Allerdings waren diesmal die Bedingungen besonders schwierig: bei Minusgraden oder etwas darüber hatte ich es noch nie probiert. Trotzdem habe ich tapfer gearbeitet. Wollunterwäsche, drei Lagen Pullover und eine dicke Daunenjacke halfen dabei. Für mich hat es sich gelohnt. Meine Pastellstifte fingen eine zauberhafte, düstere, schmelzende Welt ein. Wir werden sehen, wie lange es sie so noch geben wird. #arktis17, #arktiszeichenblog, #kerstinheymach

 

Erlend Moster Knudsen über die Klimaveränderung in Longyearbyen.

Erlend Moster Knudsen (c)kherstinheymach
Erlend Moster Knudsen (c)kerstinheymach

Erlend ist Norweger und hat in Longyearbyen studiert. Er arbeitet als Post-Doc an der Uni in Köln. Hier in Longyearbyen für die (AC)3-Kampagne erstellt er den täglichen Wetterbericht für die Wissenschaftler-Runde.
Er hat Freunde besucht und erzählt von den Auswirkungen des Klimawandels hier in der Stadt. #KerstinHeymach, #arktis17, #arktiszeichenblog

Der Nebel hat sich gelichtet, die Forschungsflugzeuge Polar 5 und 6 fliegen wieder.

Der Nebel über Spitzbergen hat sich verzogen. Drei Tage saßen die Flieger fest, jetzt können sie wieder in die Luft. Es gibt für die Forschungsflugzeuge Polar 5 und 6 ein kurzes Zeitfenster zum Abheben, bevor sich der Himmel wieder verhüllt. 80 Flugstunden sind für die Kampagne insgesamt vorgesehen.

#KerstinHeymach, #arktis17, #arktiszeichenblog

Polar 5 und 6 fliegen wieder in Longyearbyen Spitzbergen from Kerstin Heymach on Vimeo.

Wie beginnt der Tag in Longyearbyen für Mario Mech

Mario Mech (c)kheymach
Dr. Mario Mech, Geophysiker, Meteorologe, Systemadministrator, leidenschaftlicher Koch

Die Acloud-Kampagne läuft nun schon seit vier Wochen. Inzwischen sind viele Wissenschaftler abgereist und neue gekommen, vor allem viele Doktoranden. Manche bleiben aber auch die gesamte Zeit. Wer so lange fern von daheim ein anstrengendes, intensives Arbeitsleben fast ohne Pause führt, braucht ab und zu ein aufmunterndes Wort oder eine gute Portion Wurstgulasch. Das weiß Mario Mech, Mission PI und die gute Seele der Truppe.

Kerstin Heymach | Juni 15, 2017 um 11:07 pm | Tags: #arktis17, #Arktiszeichenblog, #guteseeledertruppe, #KerstinHeymach, #Longyearbyen | Kategorien: Longyearbyen | URL: http://wp.me/p8CiAP-l8

Wandern wird gefährlich: die Schneeschmelze hat begonnen.

 

André versucht die Flussdurchquerungc)kheymach
André versucht mit allerhand Hilfsmitteln die Flussdurchquerung c)kheymach

Seit meiner Rückkehr hat die Schneeschmelze die Macht über die Schneepisten übernommen. Schneewächten verwandeln sich in hüfttiefen Eis-Sumpf, unter dem ein reißender Bach verborgen ist. Schneeschollen bauen trügerische Brücken, durch die braunes Schmelzwasser tost. Permafrostböden stehen unter Wasser und aus gefrorenen Abraumhalden brechen Steinlawinen ab. Die kleine Abendwanderung in Sichtweite Longyearbyens gerät schnell zur Survival-Tour. Das Gewehr ist außerhalb des Ortes immer dabei, siehe Eisbär.

Kaum bin ich weg aus Ny Alesund, kommt auch schon ein Eisbär.

Eisbär in NYANy Alesund (c)kheymach
Eisbär in Ny Alesund gesichtet und ich bin nicht dabei… (c)kheymach

Eilnachricht aus NYA: der Eisbär war da. Die AWIPEV-Crew versammelte sich heute Nachmittag auf dem Dach des Observatoriums, um einem kapitalen Eisbär beim Vorbeitraben am Zeppelinberg zu beobachten. Dieses Ereignis sagt uns aber auch: Sie sind da. Alle Vorsichtsmaßnahmen sind richtig und sinnvoll. Wir sind hier nur zu Gast, der Bär ist der eigentliche Chef Spitzbergens.

 

Eisbärwatching am Dach (c)Sandro Dahlke
Eisbärwatching am Dach (c)Sandro Dahlke

Besuch der weißen Riesen.

Illu Beluga-wale(c)kheymach
Ein Beluga-Wal mit Kalb. (Weißwal, Delphinapterus Lucas) So hätten wir sie gern gesehen. Bei Wassertemperaturen knapp über Null wäre das ein eher kühles Unterfangen.

Dinner in der Kantine. Das Wochenende neigt sich, man genießt das Essen. Plötzlich Hektik: eine Schule Beluga-Wale ist ganz dicht an der Küste aufgetaucht. Fahrräder und E-Autos werden geschnappt und zum Hafen gefahren. Es scheinen auch Jungtiere dabei zu sein, man sieht gelblich weiße und kleinere graue Rücken. Ein paar Minuten am Kai entlang, dann verschwinden sie im grauen Wasser Richtung Polarmeer.

Beluga-Wal mit Kalb1_(c)kheymach
Beluga-Wal mit Kalb (c)kheymach
Beluga-Wal_(c)kheymach
Beluga-Wal (c)kheymach
Beluga-Wale_(c)kheymach
Beluga-Wale (c)kheymach
DSC05325
Whale watching Ny Alesund (c)kheymach
DSC05327
Whale watching Ny Alesund (c)kheymach
DSC05344
Whale watching Ny Alesund (c)kheymach
DSC05345
Whale watching Ny Alesund (c)kheymach

Out now: Klima-Aufzeichnungen.

Rechtzeitig vor Weihnachten ist es fertig geworden: die Pastelle, Skizzen und Interviews vom Juni 2017 hat der Verlag Lammerhuber jetzt zu einem sehr schönen Buch zusammen gefasst. „Klima-Aufzeichnungen/Climate Recording. Zeichnerische Dokumentation einer Arktis-Expedition“ heißt es.

Danke übrigens an Gerald Lauffer für die Wortspende, von ihm stammt der Titel.
Dank an Eberhard und Sigrid Pfister, die tapfer einen Großteil der (manchmal recht langen und schlecht aufgenommenen) Interviews erfassten und auch in Windeseile Texte übersetzten. Danke auch an Friederike Heymach, die das Buch neben dem Babybett ihrer kleinen Tochter bis in die späte Nacht hinein lektorierte. Danke an den Verlag Lammerhuber, der das Projekt so toll umsetzte.

Danke an die Wissenschaftler, die mich in ihr Team aufnahmen und mir in langen Gesprächen ihre Gedanken, Wünsche und Ideen ihrer wichtigen und schwierigen Arbeit anvertrauten.

Und natürlich vielen Dank an meine Co-Autoren Annette Rinke und Manfred Wendisch, die trotz ihrer übervollen Terminkalender von verschiedensten Enden der Welt das Projekt voran trieben (Peking, London, Kapstadt, St. Petersburg, Leipzig, Köln, Potsdam, New Orleans…), unermüdlich Förderer und Sponsoren auftrieben und nie Geduld und Begeisterung verloren.

Hier kann man es für 39,90 Euro kaufen. Für weitere Infos der Pressetext Edition Lammerhuber

 

Klima-Aufzeichnungen: Das ganze Buch in 9 Sekunden
Klima-Aufzeichnungen: Das ganze Buch in 9 Sekunden

 

Arbeiten am Arktis-Buch

Das Arktisbuch „Klima-Aufzeichnungen“ nimmt langsam Gestalt an. Die Illustrationen für die Interviews sind fertig gestellt, Texte werden übersetzt und redigiert.

Polarstern im Eis
Der Forschungseisbrecher Polarstern hat an einer Eisscholle festgemacht.
Martin (Ingenieur) und Bill (Pilot)
Martin (Ingenieur) und Bill (Pilot)
Eiderente auf Spitzbergen
Eiderente auf Spitzbergen

kiti-uääh

So klingt der Ruf der Dreizehenmöwe. Die Vögel können sehr laut und rabiat ihre Nester verteidigen. Nähert man sich dem Brutgebiet, sollte man einen Schutzhelm tragen, sagt Ornithologe Olivier Chastel. Er zählt die Gelege und beringt die Tiere mithilfe seiner zwei Kollegen.

Dreizehenmöwe_(c)kheymach
Die Dreizehenmöwe (Rissa tridactyla) lebt eigentlich auf dem offenen Meer und kommt nur zum Brüten an die Küste. Ein Brutgebiet im Fjord von Ny Alesund wird derzeit von französischen Ornithologen kartiert, die Vögel beringt und mit Sendern versehen.

„Wenn Du über die Arktis fliegst und irgendetwas passiert, zählen nur die Menschen hier, denen Du vertrauen mußt.“ Emma Järvinen über die (AC)3-Forschungsflüge.

Emma Järvinen(c)kheymach
Dr. Emma Järvinen, physicist, postdoc – cloud microphysics, aerosol optics and aircraft measurements

 

Die Forschungsflugzeuge Polar 5 und 6 sind heute bei Sonnenschein gestartet. Sie werden auch bei Sonnenschein wieder heimkehren.

Der Polartag und der Frühlingseinbruch machen es möglich. Die knuffigen Flieger aus den Dreißigern mit noch viel analoger Technik im Cockpit werden von kanadischen Piloten geflogen. An Bord sind außer Pilot und Copilot jeweils vier bis fünf Wissenschaftler, die für die Datensammlung der Geräte zuständig sind.

 

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Aktuelle Prachtbände über die Natur: Klima-Aufzeichnungen ist eines davon. Sagt die Tageszeitung „Der Standard“ Österreich.

Buchempfehlung des Standard: Prachtbände über die Natur als optisches Festmahl. Vielen Dank für die freundliche Erwähnung.

"Prachtband" Klima-Aufzeichnungen: Der Standard empfiehlt.
„Prachtband“ Klima-Aufzeichnungen: Der Standard empfiehlt die schönsten Wissenschafts-Bildbände.

 

 

Lese-Empfehlung Klima-Aufzeichnungen im „Schaufenster“ (Die Presse) bei arktischen Temperaturen in Mitteleuropa.

Draußen schneit es seit ein paar Tagen, der Wind pfeift ums Haus, das Thermometer zeigt konstant Minusgrade, nachts sogar zweistellig. Die beste Zeit, um drinnen zu bleiben, sich an den warmen Kamin zu setzen und unser Buch über die Expedition in die ferne Arktis und die anstrengende Arbeit der Forscher im Nordpolarmeer zu lesen. Das dachte man sich vermutlich auch beim „Schaufenster“, dem Magazin der österreichischen Tageszeitung „Die Presse“ und empfahl wärmstens das Buch Klima-Aufzeichnungen. Vielen Dank dafür.

Schaufenster (Die Presse) empfiehlt "Klima-Aufzeichnungen
Schaufenster (Die Presse) empfiehlt „Klima-Aufzeichnungen

 

Alfred-Wegener-Institut Potsdam: Arktis-Pastelle werden erstmals ausgestellt.

Schneeschmelze Nybien-Longyearbyen Arktis-Pastell(c)Kerstin Heymach
Schneeschmelze in Nybien-Longyearbyen (Spitzbergen). Arktis-Pastell(c)Kerstin Heymach

Das AWI Potsdam eröffnet Ende September seinen lang geplanten Neubau. Anläßlich dessen werden meine Arktis-Aufzeichnungen der (AC)3-Expedition im Foyer erstmals ausgestellt. Kleiner Wermutstropfen: die Ausstellungseröffnung ist leider nicht öffentlich. Wer allerdings zu den 600 Eingeladenen gehört, kann mich dort treffen und mit mir über die Bilder, den dort erlebten Klimawandel und das Expeditions-Abenteuer sprechen.

Bei Hitzerekorden Arktis zeichnen.

37 Grad im Schatten im Wiener Atelier, Starkregen, Wetterkapriolen. Der Klimawandel ist angekommen. Nicht nur die Universitäten werten ihre Ergebnisse aus, auch im Zeichenblog wird gesichtet, erfasst, ergänzt. Ende September ist eine Ausstellung in Potsdam geplant und ein Buch ist im Entstehen. Hier schon mal ein Preview.

Dmitri Chechin(c)Zeichnung Kerstin Heymach
Dmitri Chechin(c)Zeichnung Kerstin Heymach
Susanne Crewell(c)Zeichnung Kerstin Heymach
Susanne Crewell(c)Zeichnung Kerstin Heymach

Georg Heygster(c)Zeichnung Kerstin Heymach

Die „Wiener Bezirkszeitung“ berichtet: Arktis-Zeichenblog versus Grätzelsprayer.

Kurz nach meiner Rückkehr in’s überhitzte Wien meldete sich die BZ-Reporterin Ulrike Kozeschnik wegen eines Interviews. Ich musste mit den Grönland-Bildern posieren, da die aktuellen aus Spitzbergen noch nicht präsentabel sind. Trotzdem bin ich sogar aufs Titelbild gerutscht. Vielleicht das Sommerloch? Oder als seriöse Alternative zu den bösen Grätzel-Sprayern? Insgesamt aber war es ein nettes Gespräch und es ist auch ein freundlicher Artikel geworden. (Gruß an die jungen Sprayer-Kunst-Kollegen: lasst Euch nicht entmutigen!)

Titel Wiener Bezirkszeitung: Mit Zeichenblock in die Arktis
Titel Wiener Bezirkszeitung: Mit Zeichenblock in die Arktis. Autorin: Ulrike Kozeschnik
Beitrag Wiener Bezirkszeitung
Beitrag Wiener Bezirkszeitung, Autorin: Ulrike Kozeschnik

Die deutschen „Tagesthemen“ berichten über die Klima-Mission in der Arktis.


http://www.tagesschau.de/ausland/spitzbergen-127.html

 

Das Wolkenrätsel der Arktis

Der Klimawandel fällt in der Arktis besonders stark aus. Ein großes Forscherteam auf Spitzbergen will herausfinden, warum das so ist. Ihre Theorie: Die Wolkenbildung spielt eine zentrale Rolle.

Wissenschaft kann sich manchmal anfühlen wie eine Polarexpedition. So zumindest geht es vielen im Team der deutschen und anderen europäischen Wissenschaftler, die derzeit in Longyearbyen – dem Hauptort von Spitzbergen – ihr Camp aufgeschlagen haben. Der Ort liegt rund 3000 Kilometer nördlich von Deutschland. Schneebedeckte Berge umgeben die Siedlung. Nur ein paar Flugminuten entfernt beginnt das – noch – ewige Eis.

Bei der Mission des Teams um den Meteorologen Professor Manfred Wendisch von der Universität Leipzig geht es um nicht weniger, als einen Baustein zur Beantwortung der Frage zu liefern, warum der Klimawandel in der Arktis so viel schneller abläuft als in jeder anderen Region der Erde. Schneller als zum Beispiel auch an der Antarktis.

70 Jahre alte Flugzeuge

In diesem polaren Frühsommer sind die Wissenschaftler fast täglich mit den beiden Flugzeugen vom Typ DC-3 unterwegs. Die Maschinen des Alfred-Wegener-Instituts in Bremerhaven haben schon mehr als 70 Jahre auf dem Buckel, sind mehrfach umgebaut worden und ausgerüstet mit hochmoderner Messtechnik. „Das Beste, was es zum Fliegen in diesen Regionen gibt“, mein Pilot Kirk Allen. Der Kanadier ist schon fast überall geflogen, wo es eisig kalt ist. Für ihn ist das hier Routine. Als während eines Flugs durch die dichten Wolken kurzzeitig der Höhenmesser ausfällt, zieht er die Maschine steil nach oben. Das Team drückt es in die Sitze. Einigen an Bord wird es kurz mulmig. Aber hinterher meint Allen: „Alles normal, nichts passiert.“

Wenn es hinaus über das zugefrorene Nordpolarmeer geht, dann trägt jeder an Bord einen Überlebensanzug aus Neopren. Auch Notproviant ist an Bord. Außerdem Zelte, Schlafsäcke, ein Schlauchboot und sogar ein Jagdgewehr, das bei einer Landung auf dem Eis dem Schutz vor Eisbären dient. Jeder, der mitfliegt, muss vorher ein Sicherheitstraining absolvieren.

Klimawandel in Arktis besonders stark

Die rund 35 Frauen und Männer sind hier, weil sich in der Arktis der Klimawandel besonders gut beobachten lässt. Allein im Vergleich zu den Durchschnittswerten zwischen 1981 und 2010 hat sich die Arktis bis heute um ganze zwei Grad Celsius erwärmt. In der Geschichte der Erde ein fast sprunghafter Anstieg. Und fast alle Prognosen sagen: Es wird noch wärmer rund um den Nordpol. Die Messstationen in der Arktis vermelden einen Wärmerekord nach dem anderen. Der Isfjorden vor Longyearbyen – der nicht umsonst diesen Namen trägt – ist seit mehreren Jahren nicht mehr zugefroren. Sogar Fischarten wie Lachs oder Makrelen gibt es mittlerweile vor Spitzbergen. Bisher fand man diese nur in deutlich südlicheren Gewässern. Auch das Meereis geht – mit einigen Schwankungen – scheinbar unaufhaltsam zurück. Die Eisschicht über der Polkappe wird dabei immer dünner und brüchiger. In der Arktis hat die Eisfläche in den vergangenen 25 Jahren um rund die Hälfte abgenommen.

Nach jüngsten Prognosen könnte der Nordpol bereits in knapp 20 Jahren im Sommer vollständig vom Eis befreit sein. Andere Wissenschaftler gehen eher von 40 bis 50 Jahren aus. Wie auch immer: Eine eisfreie Arktis hätte enorme Auswirkungen auch auf das Klima bei uns. Denn die stabile Westwetterlage in Mitteleuropa könnte aus dem Gleichgewicht geraten. Wetterextreme wären die Folge.

Es geht ums Überleben

Die Wissenschaftler arbeiten daher an einer Überlebensfrage der Menschheit. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) unterstützt das Projekt, das in der aktuellen Phase noch bis Ende 2019 läuft, mit zehn Millionen Euro. Zu dem Forschungsverbund gehören neben der Uni Leipzig auch die Universität in Bremen, die Universität zu Köln, das Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven sowie das Leibniz-Institut für Troposphärenforschung, das ebenfalls seinen Sitz in Leipzig hat.

Bei der aktuellen Kampagne, wie der Einsatz auf Spitzbergen bei den Wissenschaftlern heißt, geht es vor allem um den Einfluss der Wolkenbildung auf das Klima. „Das ist ein Gebiet, wo noch enorme wissenschaftliche Erkenntnisse gewonnen werden können“, erklärt Klimaforscher Christof Luepkes vom Alfred-Wegener Institut. Um das Rätsel der Wolken zu lösen, sammeln die Wissenschaftler mit den beiden Flugzeugen, dem Forschungsschiff Polarstern und mit Hilfe von Satelliten Terabyte um Terabyte Daten. Gemessen werden unter anderem die Größe der Wassertröpfchen, die Eisbildung innerhalb einer Wolke, die Temperaturunterschiede zwischen Ober- und Unterseite, aber auch der Anteil von Schmutzpartikeln. Dazu sind die beiden Flugzeuge mit vielen hochsensiblen Messinstrumenten ausgerüstet.

„Wolke ist nicht gleich Wolke“, betont Meteorologe Manfred Wendisch. „Eine Wolke über Leipzig hat eine ganz andere Wirkung als eine Wolke über der Arktis. Während die Wolken in unseren Breiten eher eine abkühlende Wirkung haben, kann es in der Arktis genau umgekehrt sein.“ Die Vermutung der Wissenschaftler: Die Wolken tragen zur sogenannten „arktischen Verstärkung“ bei. „Artic Amplification“ heißt daher auch das große internationale Forschungsprojekt, an dem das Team aus Deutschland mit ihrem Projekt „Transregio TR 172“ mitarbeitet.

Bedrohlicher Kreislauf

Mit der arktischen Verstärkung ist ein Prozess gemeint, der sich in knappen Worten so beschreiben lässt: Wenn die Temperaturen – zum Beispiel durch den vermehrten CO2-Ausstoß – steigen, beginnt das Meereis zu schmelzen. Es entstehen erst sogenannte Schmelztümpel, dann bricht das Eis auf. Es bilden sich große offene Wasserflächen. Diese sorgen für zusätzliche Aufwärmung. Denn während das helle Eis die Wärmestrahlung der Sonne fast vollständig reflektiert, nimmt das dunkle Wasser die Strahlung – und damit die Wärme – sehr viel stärker auf. Ein bedrohlicher Kreislauf beginnt. Und bei diesem Prozess könnte die Wolkenbildung einen zusätzlich verstärkenden Effekt haben.

Bis zum Ende der Woche wird das Team mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus Deutschland, Spanien, Finnland, Frankreich und der Ukraine noch auf Spitzbergen sein. Dann ist die sechswöchige Kampagne zu Ende. Das Equipment wird in Kisten verpackt und zum Abtransport in die Heimat fertig gemacht. Für einige der Wissenschaftler beginnt dann erst einmal der Urlaub. Für andere wartet zu Hause viel Arbeit. Denn der größte Teil des Projekts liegt noch vor dem Team. Unmengen an Daten müssen ausgewertet werden. Manfred Wendisch meint mit einem Schmunzeln: „Da steckt noch Arbeit für ganze Generationen von Doktoranden drin.“ Erste Zwischenergebnisse werden aber vielleicht schon in einigen Monaten veröffentlicht.

Stand: 27.06.2017 17:19 Uhr
Von Christian Stichler, ARD-Studio Stockholm

Wieder im Heimathafen: Wie geht es weiter mit Arktis Zeichenblog?

Hier ein Post in eigener Sache. Mein Aufenthalt in der Arktis ist inzwischen zu Ende. Ich habe viele Gespräche geführt, ungewöhnliche Menschen kennengelernt, Geschichten und Meinungen gehört, Informationen gesammelt, fotografiert und natürlich gezeichnet. Mehr als genug, um ein Buch damit zu füllen.

Hier auf Arktis Zeichenblog werde ich weiter zum Thema Klimaveränderung posten und auch die ein oder andere Neuigkeit aus der (AC)3-Kampagne beschreiben. Denn sie wird im nächsten Jahr weiter gehen. Und darauf freue ich mich schon. Kerstin Heymach, 26.6.2017 #arktis17, #arktiszeichenblog, #kerstinheymach

 

Kerstin Heymach mit Polarstern
Vorletzter Tag in Longyearbyen. Die Polarstern ist angekommen. (Schiff in der Mitte) Wir werden sie besichtigen und abends mit den Kollegen feiern. Foto: Manfred Wendisch

Die Polarstern ist in Longyearbyen eingetroffen.

Polarstern in Longyearbyen(c)kheymach
Die Polarstern im Fjord von Longyearbyen. (c)kheymach Inzwischen ist es im kleinen Hafen ziemlich eng geworden, so dass nur eine Aussenposition für das Schiff möglich ist. Besucher und Weiterreisende werden mit dem Schauchboot-Shuttle übergesetzt. 

Die (AC)3-Kampagne neigt sich für dieses Jahr dem Ende zu. Es werden noch einige Flüge geflogen, die Polarstern macht sich wieder auf den Weg. Zuerst geht man aber auf Besuch. Die Flug-Mannschaft erkundet das Schiff und die Schiffsbesatzung die Flieger. Aus diesem Anlass und weil heute Mittsommer ist, gibt es heute Abend eine gemeinsame Party. #KerstinHeymach, #arktis17, #arktiszeichenblog

Der Nebel hat sich gelichtet, die Forschungsflugzeuge Polar 5 und 6 fliegen wieder.

Der Nebel über Spitzbergen hat sich verzogen. Drei Tage saßen die Flieger fest, jetzt können sie wieder in die Luft. Es gibt für die Forschungsflugzeuge Polar 5 und 6 ein kurzes Zeitfenster zum Abheben, bevor sich der Himmel wieder verhüllt. 80 Flugstunden sind für die Kampagne insgesamt vorgesehen.

#KerstinHeymach, #arktis17, #arktiszeichenblog

 

Polar 5 und 6 fliegen wieder in Longyearbyen Spitzbergen from Kerstin Heymach on Vimeo.

Die Polarstern verlässt das Eis.

 

Am Freitag, 20.00 Uhr verlässt die Polarstern ihre Position im arktischen Eis Richtung Süden. Sie wird am Mittwoch, 21.6. in Longyearbyen erwartet.
Die Forschungsflüge gehen derweil weiter. Nun müssen sie nicht mehr den weiten Weg zur Position des Forschungsschiffes nehmen. Nach Ny Alesund braucht ein Flieger vom Airport Longyear ca. eine halbe Stunde, zur Postion des Schiffes deutlich mehr als eine Stunde zusätzlich. Das bedeutet für die Flüge weniger Anreisezeit, mehr Mess-Zeit. #KerstinHeymach, #arktis17

 

Polarstern im Eis(c)kheymach
Das Forschungsschiff Polarstern verlässt die Eisscholle und nimmt Kurs auf Longyearbyen. (c)kheymach

 

Eiskristalle fangen in polaren Höhen.

 

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Emma Järvinen und Martin Schnaiter sammeln Partikel bei der (AC)3-Messkampagne. Sie interessieren sich für die Eiskristalle, die daraus entstehen. Martin Schnaiter hat 15 Jahre lang das Laser-Messgerät PHIPS entwickelt, das die Partikel im Flug messen und fotografieren kann. Die Kristalle am Foto schauen aus wie unsere Winterschneeflocken, sind aber kleiner als ein Haardurchschnitt.

 

Eiskristalle
Eiskristalle (c)Martin Schnaiter KIT
Eiskristalle2
Eiskristalle (c)Martin Schnaiter KIT
Eiskristalle3
Eiskristalle (c)Martin Schnaiter KIT
Eiskristalle4
Eiskristalle (c)Martin Schnaiter KIT
Eiskristalle5
Eiskristalle (c)Martin Schnaiter KIT
Eiskristalle6
Eiskristalle (c)Martin Schnaiter KIT
Eiskristalle7
Eiskristalle (c)Martin Schnaiter KIT

Nebel über Spitzbergen.

Wolkenquerschnitt auf dem geplanten Weg der Flieger
Wolkenquerschnitt auf dem geplanten Weg der Forschungsflugzeuge. Nr. 5 in der Mitte ist die Position der Polarstern. (c) AWI

Seit drei Tagen liegt dicker Nebel über dem Archipel. Die Forschungsflugzeuge bleiben am Boden und das Lidar-Messgerät der Bodenstation Ny Alesund ausgeschaltet. Auch auf der Polarstern wird heute gar nichts gemessen. Ein Teil des Schiffes hat sich augenscheinlich von der Scholle gelöst. Da muss erst einmal manövriert werden.
„Uns gehen langsam die Beschäftigungen aus“ sagt Martin Gehrmann, der Flugzeug-Ingenieur. „An den Flugzeugen ist nichts mehr zu tun.“ Die Flieger könnten durch den Nebel mit elektronischer Navigation fliegen, so wie die Linienflugzeuge. Das braucht jedoch enorme Massen an Treibstoff. Die vorgeschriebene Menge, die vorrätig sei soll, um den nächsten Flughafen (Tromsö) mit automatischer Navigation zu erreichen, ist so hoch, daß die Polarstern im Eis nicht erreicht würde. So dürfen die Forschungsflugzeuge nur auf Sicht fliegen oder bleiben am eben Boden.

Hier der Wetterbericht für morgen. Da schaut es vielleicht besser für die Flüge aus. Das wird aktuell diskutiert.

Forecast 2017_06_13_June_Tuesday (c)AWI from Kerstin Heymach on Vimeo.

Der Spiegel berichtet: Eisbär in der Arktis klaut Fahnenstange.

Eisbärenfamilie der Polarstern
Tierischer Besuch: Pünktlich zum Arbeitsbeginn auf d.Scholle näherten sich Eisbären der Polarstern (c)Alfred-Wegener-Institut/ Hauke Flores

Begegnung in der Arktis

Deutsche Wissenschaftler erforschen in der Arktis den Klimawandel. Zeitweise mussten sie die Erkundungen aber anderen überlassen: Zwei Bären inspizierten die Forschungsrequisiten.

Anfang Juni dockte die „Polarstern“ in der Arktis an einer Eisscholle an. Dort erforscht die Besatzung des deutschen Forschungsschiffes, warum sich die Region stärker erwärmt als der Rest der Welt; auch Unterwasserwelt und Eis stehen auf dem Erkundungsplan.

zum Artikel:

Sandro Dahlke und der Messballon

Sandro Dahlke und der Messballon from Kerstin Heymach on Vimeo.

Sandro Dahlke ist Doktorand am Alfred Wegener Institut Potsdam. Er und seine Kollegen starten jeden Tag in Ny Alesund Messballons in die Atmosphäre. Der angehängte Sender sendet zirka zwei Stunden lang Daten an die Bodenstation, bis der Ballon in 35 Kilometern Höhe zerplatzt. Während der Kampagne werden mehr Ballons gestartet, als sonst üblich, dafür ist Sandro zuständig.

Polar 5 im Anflug auf Ny Alesund.

P5 wird die Forschungsstation so niedrig überfliegen, dass beides auf ein Foto passt. Das hofft man. Bisher gelang es leider noch nicht, so dass wir auf eine gezeichnete Darstellung zurückgreifen.

 

Dach Observatorium mit Flieger(c)kheymach
Die Ny Alesunder Bodenstation wird von den Forschungsflugzeugen überflogen, um etwa zeitgleich vom Observatorium, dem Flieger und dem Schiff aus zu messen.

 

Hier ein paar Bilder der aktuellen Ny Alesunder Crew. Matteo erklärt gerade ein Messgerät auf dem Dach des Observatoriums.

Diese Diashow benötigt JavaScript.