Wandern wird gefährlich: die Schneeschmelze hat begonnen.

 

André versucht die Flussdurchquerungc)kheymach
André versucht mit allerhand Hilfsmitteln die Flussdurchquerung c)kheymach

Seit meiner Rückkehr hat die Schneeschmelze die Macht über die Schneepisten übernommen. Schneewächten verwandeln sich in hüfttiefen Eis-Sumpf, unter dem ein reißender Bach verborgen ist. Schneeschollen bauen trügerische Brücken, durch die braunes Schmelzwasser tost. Permafrostböden stehen unter Wasser und aus gefrorenen Abraumhalden brechen Steinlawinen ab. Die kleine Abendwanderung in Sichtweite Longyearbyens gerät schnell zur Survival-Tour. Das Gewehr ist außerhalb des Ortes immer dabei, siehe Eisbär.

Kaum bin ich weg aus Ny Alesund, kommt auch schon ein Eisbär.

Eisbär in NYANy Alesund (c)kheymach
Eisbär in Ny Alesund gesichtet und ich bin nicht dabei… (c)kheymach

Eilnachricht aus NYA: der Eisbär war da. Die AWIPEV-Crew versammelte sich heute Nachmittag auf dem Dach des Observatoriums, um einem kapitalen Eisbär beim Vorbeitraben am Zeppelinberg zu beobachten. Dieses Ereignis sagt uns aber auch: Sie sind da. Alle Vorsichtsmaßnahmen sind richtig und sinnvoll. Wir sind hier nur zu Gast, der Bär ist der eigentliche Chef Spitzbergens.

 

Eisbärwatching am Dach (c)Sandro Dahlke
Eisbärwatching am Dach (c)Sandro Dahlke

Nebel über Spitzbergen.

Wolkenquerschnitt auf dem geplanten Weg der Flieger
Wolkenquerschnitt auf dem geplanten Weg der Forschungsflugzeuge. Nr. 5 in der Mitte ist die Position der Polarstern. (c) AWI

Seit drei Tagen liegt dicker Nebel über dem Archipel. Die Forschungsflugzeuge bleiben am Boden und das Lidar-Messgerät der Bodenstation Ny Alesund ausgeschaltet. Auch auf der Polarstern wird heute gar nichts gemessen. Ein Teil des Schiffes hat sich augenscheinlich von der Scholle gelöst. Da muss erst einmal manövriert werden.
„Uns gehen langsam die Beschäftigungen aus“ sagt Martin Gehrmann, der Flugzeug-Ingenieur. „An den Flugzeugen ist nichts mehr zu tun.“ Die Flieger könnten durch den Nebel mit elektronischer Navigation fliegen, so wie die Linienflugzeuge. Das braucht jedoch enorme Massen an Treibstoff. Die vorgeschriebene Menge, die vorrätig sei soll, um den nächsten Flughafen (Tromsö) mit automatischer Navigation zu erreichen, ist so hoch, daß die Polarstern im Eis nicht erreicht würde. So dürfen die Forschungsflugzeuge nur auf Sicht fliegen oder bleiben am eben Boden.

Hier der Wetterbericht für morgen. Da schaut es vielleicht besser für die Flüge aus. Das wird aktuell diskutiert.

Forecast 2017_06_13_June_Tuesday (c)AWI from Kerstin Heymach on Vimeo.

Der Spiegel berichtet: Eisbär in der Arktis klaut Fahnenstange.

Eisbärenfamilie der Polarstern
Tierischer Besuch: Pünktlich zum Arbeitsbeginn auf d.Scholle näherten sich Eisbären der Polarstern (c)Alfred-Wegener-Institut/ Hauke Flores

Begegnung in der Arktis

Deutsche Wissenschaftler erforschen in der Arktis den Klimawandel. Zeitweise mussten sie die Erkundungen aber anderen überlassen: Zwei Bären inspizierten die Forschungsrequisiten.

Anfang Juni dockte die „Polarstern“ in der Arktis an einer Eisscholle an. Dort erforscht die Besatzung des deutschen Forschungsschiffes, warum sich die Region stärker erwärmt als der Rest der Welt; auch Unterwasserwelt und Eis stehen auf dem Erkundungsplan.

zum Artikel:

Sandro Dahlke und der Messballon

Sandro Dahlke und der Messballon from Kerstin Heymach on Vimeo.

Sandro Dahlke ist Doktorand am Alfred Wegener Institut Potsdam. Er und seine Kollegen starten jeden Tag in Ny Alesund Messballons in die Atmosphäre. Der angehängte Sender sendet zirka zwei Stunden lang Daten an die Bodenstation, bis der Ballon in 35 Kilometern Höhe zerplatzt. Während der Kampagne werden mehr Ballons gestartet, als sonst üblich, dafür ist Sandro zuständig.

Besuch der weißen Riesen.

Illu Beluga-wale(c)kheymach
Ein Beluga-Wal mit Kalb. (Weißwal, Delphinapterus Lucas) So hätten wir sie gern gesehen. Bei Wassertemperaturen knapp über Null wäre das ein eher kühles Unterfangen.

Dinner in der Kantine. Das Wochenende neigt sich, man genießt das Essen. Plötzlich Hektik: eine Schule Beluga-Wale ist ganz dicht an der Küste aufgetaucht. Fahrräder und E-Autos werden geschnappt und zum Hafen gefahren. Es scheinen auch Jungtiere dabei zu sein, man sieht gelblich weiße und kleinere graue Rücken. Ein paar Minuten am Kai entlang, dann verschwinden sie im grauen Wasser Richtung Polarmeer.

Beluga-Wal mit Kalb1_(c)kheymach
Beluga-Wal mit Kalb (c)kheymach
Beluga-Wal_(c)kheymach
Beluga-Wal (c)kheymach
Beluga-Wale_(c)kheymach
Beluga-Wale (c)kheymach
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Whale watching Ny Alesund (c)kheymach
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Whale watching Ny Alesund (c)kheymach
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Whale watching Ny Alesund (c)kheymach
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Whale watching Ny Alesund (c)kheymach

Polar 5 im Anflug auf Ny Alesund.

P5 wird die Forschungsstation so niedrig überfliegen, dass beides auf ein Foto passt. Das hofft man. Bisher gelang es leider noch nicht, so dass wir auf eine gezeichnete Darstellung zurückgreifen.

 

Dach Observatorium mit Flieger(c)kheymach
Die Ny Alesunder Bodenstation wird von den Forschungsflugzeugen überflogen, um etwa zeitgleich vom Observatorium, dem Flieger und dem Schiff aus zu messen.

 

Hier ein paar Bilder der aktuellen Ny Alesunder Crew. Matteo erklärt gerade ein Messgerät auf dem Dach des Observatoriums.

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kiti-uääh

So klingt der Ruf der Dreizehenmöwe. Die Vögel können sehr laut und rabiat ihre Nester verteidigen. Nähert man sich dem Brutgebiet, sollte man einen Schutzhelm tragen, sagt Ornithologe Olivier Chastel. Er zählt die Gelege und beringt die Tiere mithilfe seiner zwei Kollegen.

Dreizehenmöwe_(c)kheymach
Die Dreizehenmöwe (Rissa tridactyla) lebt eigentlich auf dem offenen Meer und kommt nur zum Brüten an die Küste. Ein Brutgebiet im Fjord von Ny Alesund wird derzeit von französischen Ornithologen kartiert, die Vögel beringt und mit Sendern versehen.

„Wenn Du über die Arktis fliegst und irgendetwas passiert, zählen nur die Menschen hier, denen Du vertrauen mußt.“ Emma Järvinen über die (AC)3-Forschungsflüge.

Emma Järvinen(c)kheymach
Dr. Emma Järvinen, physicist, postdoc – cloud microphysics, aerosol optics and aircraft measurements

 

Das wahrscheinlich internationalste Dorf der Welt.

Hier leben permanent ca. 30 Menschen, im Sommer sind es etwa 120. Es geht sehr international zu: es gibt eine norwegische Station, eine deutsch-französische, eine chinesische, englische, koreanische, japanische, italienische. Spanien, die Niederlande, Schweden, Dänemark, die USA sind auch vertreten. Alle Wissenschaftler, Techniker, Verwaltungs-, Catering-, Kraftwerks-, Facility- und sonstige Mitarbeiter gehen gemeinsam in die Kantine essen, damit in den Häusern keine Essensreste herumliegen. Das könnte Eisbären anlocken. Das Essen wird per Schiff oder Flugzeug geliefert, hier zu einem norwegisch inspirierten Speiseplan verarbeitet und ist übrigens exzellent!

Plan Wissenschaftler-Dorf Ny Alesund
Wissenschaftlerdorf Ny Alesund. Ausserhalb des Ortes ist der Aufenthalt nur mit Waffe gestattet.

Lidar geht in die Luft. Und wieder zurück.

Und das buchstäblich. Das Lidar-Messgerät im Observatorium Ny Alesund des Alfred-Wegener-Instituts sendet Laserimpulse (anders als im Beispiel-Clip konstant und 50 mal in der Sekunde) in die Wolken aus, um Aerosole zu messen. Aus der zurück geworfenen Strahlung kann man Rückschlüsse auf deren Beschaffenheit ziehen. Sind sie menschengemacht (Kohle, Abgase, andere Emissionen) oder natürlich (Saharasand, Pollen, Salzkristalle).

Das LIDAR-Laser-Messgerät in der Arktis from Kerstin Heymach on Vimeo.

Weiterlesen: Hier ein Blogbeitrag über dasselbe Messgerät auf der Polarstern. LIDAR auf der Polarstern.

Wenn das Wetter zu spät kommt.

Heute sollten die (AC)3-Flugzeuge über Ny Alesund und dann weiter zur Polarstern fliegen. Eine gute Gelegenheit, Polarstation UND Flugzeuge auf ein Foto zu bannen. Leider kam das vorausgesagte schöne Wetter vier Stunden später als berechnet, so daß die Flieger hinter Wolken versteckt blieben. Das Schönwetter kam trotzdem. Hier ein paar Beweis-Mitternachts-Bilder vom Fjord.

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Amundsen in Ny-Ålesund.

Amundsen-Büste vor dem blauen Haus.
Ammundsen wacht als graue Büste mit Kapuze über den Ort. Genau hinter ihm, im Blauen Haus am Fenster unten links in der Ecke sitze ich und zeichne diesen Blog.

1926 unternahm Roald Amundsen einen Versuch, den Nordpol mit einem Luftschiff zu erreichen. In Ny-Ålesund waren dafür ein Landemast und eine nach oben offene Luftschiffhalle errichtet worden. Amundsen und Umberto Nobile erreichten mit dem Luftschiff „Norge“ und 16 Mann Besatzung am 12. Mai 1926 tatsächlich den Nordpol, nachdem sie am 11. Mai in Ny-Ålesund gestartet waren. Diese Fahrt gilt als die erste erfolgreiche und eindeutig belegte Nordpolfahrt der Geschichte.

Und täglich grüßt die Mess-Station.

Verena Mohaupt ist Station-Leader der AWIPEV-Mess-Station in Ny-Ålesund. Sie und ihre Kollegen sorgen dafür, dass über Jahre kontinuierlich Daten aufgenommen werden können. Sie ist seit April 2016 hier und übergibt in diesen Tagen die Leitung an ihren Kollegen Piotr Kupiszewski. Auch Piotr wird auf der Station überwintern.

Verena Mohaupt holt Schneeproben from Kerstin Heymach on Vimeo.

 

PS: Falls jemand wissen will, was Verena da gerade erklärt: ich kann sie gerne fragen. Bis 12.6.2017 bin ich noch hier.

Wenn der Eisbär zum Blauen Haus kommt.

Abflug mit einem Miniflugzeug vom Lastenhangar des Flughafens über grandiose grafische weiße Landschaften. Ankommen in Ny Alesund, einem Wissenschaftler-Dorf nördlich von Longyearbyen. Einweisung von AWI-Station-Leader Piotr (er hat heute seinen 31. Geburtstag) im Blauen Haus, vier A4-Seiten. Punkt 3: Meal times, Punkt 8: General Rules (unter anderem no pictures in the dining hall and after 22.00), Punkt 10: Polar Bears. Dazu ein Video, 2011 aufgenommen von der chinesischen Forschungsstation gegenüber.

Rentier am Blauen Haus Ny Alesund
Und das bekommt man wirklich zu sehen: ein grasendes Rentier am Blauen Haus in Ny Alesund.

Sandro lässt den Ballon steigen.

Illu-Sandro lässt den Ballon steigen Kopie

In der Forschungsstation des Alfred Wegener-Instituts in Ny Alesund werden seit 1993 ununterbrochen hoch qualitative Messdaten der Radiosonden gesammelt. Dieser Datenschatz wird von den Wissenschaftlern aus Bremerhaven und Potsdam ausgewertet und für die Prognose der Klimaentwicklung herangezogen. Sandro Dahlke ist Doktorand im AWI Potsdam und lässt hier gerade einen Forschungsballon steigen. Der angehängte Sender sendet zirka zwei Stunden lang Daten an die Bodenstation, bis der Ballon in 35 Kilometern Höhe zerplatzt.